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Emerging Markets: Vielversprechende Aussichten – der Flossbach von Storch Podcast.

Der Aktienmarkt in den Emerging Markets schnitt 2025 erstmals wieder besser ab als der globale Markt. Portfoliomanager Michael Altintzoglou erläutert, ob und wo der Aufwind anhalten könnte.

Die Emerging Markets Aktienmärkte haben 2025 erstmals seit vielen Jahren wieder besser abgeschnitten als der globale Aktienmarkt. Der MSCI Emerging Markets erzielte einen Kurszuwachs von rund 18 Prozent und ließ damit erstmals seit 2017 den MSCI World wieder spürbar hinter sich. Aus unserer Sicht sind die Perspektiven für die Emerging Markets insgesamt vielversprechend.

Rückläufige Inflationsraten eröffnen den Zentralbanken Spielraum für weitere Zinssenkungen und sollten zu einem zusätzlichen Liquiditätszufluss führen. Gleichzeitig ist das Bewertungsniveau trotz der Kursanstiege im vergangenen Jahr sowohl im historischen Vergleich als auch relativ zu Aktien aus den Industrienationen weiterhin attraktiv. Hinzu kommt die ausufernde Staatsverschuldung in den USA sowie die anstehende Neubesetzung der Position des US-Notenbankpräsidenten. Beides spricht aus heutiger Sicht eher für einen schwächeren US-Dollar – ein Faktor, der sich unterstützend auf Aktien aus den Emerging Markets auswirken könnte.

Allerdings unterscheiden sich die Perspektiven innerhalb der Emerging Markets deutlich von Land zu Land. Das zeigt bereits ein Blick auf die sehr unterschiedliche Wertentwicklung der einzelnen Märkte im vergangenen Jahr.

An der Spitze stand Südkorea mit einem Plus von 77 Prozent, in Euro gerechnet. Ein wichtiger Treiber war das von der neuen Linksregierung eingeführte „Corporate-Value-Up“-Programm. Erste Anzeichen für eine verbesserte Corporate Governance und eine stärkere Ausrichtung an den Interessen der Aktionäre waren erkennbar: Unternehmen kauften vermehrt eigene Aktien zurück, erhöhten die Dividendenausschüttungen und profitierten von reduzierten Steuern auf Dividenden. Der Haupttreiber für den Markt war jedoch der Halbleitersektor, der stark von den massiv gestiegenen Investitionen in den Kapazitätsausbau im Bereich Künstliche Intelligenz profitierte.

Ein ähnlicher Effekt zeigte sich in Taiwan. Dort legte der Markt, ebenfalls in Euro gerechnet, um 23 Prozent zu. Unternehmen wie TSMC machen den Löwenanteil des Index aus – die Aktie steht inzwischen für knapp 60 Prozent des Indexgewichts. Die langfristigen Unternehmensperspektiven werden weiterhin als vielversprechend eingeschätzt, da es nach wie vor kaum Alternativen zur kosteneffizienten und skalierbaren Fertigung hochleistungsfähiger Rechenchips gibt. Sollte sich der KI-Boom allerdings abschwächen, dürfte der taiwanesische Markt unter den großen Emerging-Markets-Börsen eines der höchsten Korrekturpotenziale aufweisen.

Auch in Südkorea ist der Technologiesektor stark vom KI-Trend abhängig. Samsung und SK Hynix verfügen zusammen über einen weltweiten Marktanteil von rund 80 Prozent bei HBM-Speicherchips. Die Nachfrage ist aktuell ungebrochen hoch, was beiden Unternehmen deutliche Preiserhöhungen ermöglicht. Eine Abschwächung des KI-Booms würde jedoch auch hier die Lage verändern und den gesamten Technologiesektor belasten. Hinzu kommen eine hohe Verschuldung der privaten Haushalte sowie die starke Abhängigkeit der südkoreanischen Volkswirtschaft vom globalen Handel.

Ein weiterer Blick richtet sich auf China. Der chinesische Aktienmarkt überraschte 2025 viele Euro-Anleger positiv mit einer Wertentwicklung von rund 16 Prozent. Das ist umso bemerkenswerter, als die chinesische Volkswirtschaft gleichzeitig deflationäre Tendenzen aufwies. Das nominale Wirtschaftswachstum liegt seit nunmehr zehn Quartalen unterhalb des realen Wachstums. Eine nachhaltige Belebung der Konsumnachfrage lässt weiter auf sich warten, und auch der Wohnimmobilienmarkt bleibt von anhaltender Schwäche geprägt. Wachstum kam vor allem über die Exporte.

Das erscheint bemerkenswert vor dem Hintergrund des sich weiter verschärfenden Handelskonflikts mit den USA. Dennoch erreichte Chinas Handelsbilanzüberschuss ein Allzeithoch. In Beijing will man sich darauf jedoch künftig nicht verlassen. Der Fokus auf den Binnenkonsum ist die logische Konsequenz. In diesem Zusammenhang könnte es auch zu einer schrittweisen Aufwertung des Renminbi kommen, der Euro-Anlegern im vergangenen Jahr noch die Bilanz verhagelt hat. Zusätzlich plant US-Präsident Donald Trump voraussichtlich einen China-Besuch im April 2026. Ein Treffen mit Staatspräsident Xi Jinping könnte zu einer Annäherung der beiden Länder führen.

Ein weiterer Wendepunkt war Anfang 2025 der sogenannte DeepSeek-Moment. Bis dahin hatte die Welt das Potenzial Chinas im Bereich der Künstlichen Intelligenz eher unterschätzt. Inzwischen ist klar: China spielt gemeinsam mit den USA in der ersten Liga der KI-Entwicklung. Chinesische Sprachmodelle sind im Gegensatz zu vielen US-Modellen als Open-Source-Modelle konzipiert, bei denen Modellgewichte und Trainingsmethoden öffentlich zugänglich sind. Das führt dazu, dass diese Modelle inzwischen höhere Downloadzahlen verzeichnen als ihre US-Pendants.

Deutlich schwieriger verlief das Jahr 2025 dagegen für Indien. Zwar erzielte der Aktienmarkt in Lokalwährung ein einstelliges Plus, für Euro-Investoren standen jedoch ebenfalls einstellige Verluste zu Buche. Belastend wirkten unter anderem US-Zollerhöhungen von bis zu 50 Prozent auf indische Exporte sowie Restriktionen bei den früher häufig genutzten H1B-Visa für indische Staatsbürger. Diese Faktoren trafen auf ein ohnehin schwächeres Gewinnwachstum vieler Unternehmen sowie auf starke Verkäufe durch ausländische Investoren.

Die langfristigen Aussichten bleiben dennoch konstruktiv. Die strukturellen Wachstumstreiber der indischen Volkswirtschaft gelten weiterhin als intakt, und nach der Konsolidierungsphase erscheint das Bewertungsniveau vieler Aktien wieder vergleichsweise attraktiv. Das Leistungsbilanzdefizit dürfte sich im Laufe des Jahres 2026 auf unter ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts reduzieren. Gleichzeitig liegen die Fremdwährungsreserven der Zentralbank bei rund 700 Milliarden US-Dollar – ausreichend, um nahezu ein Jahr lang sämtliche Importe zu finanzieren. Das weitere Abwertungspotenzial der Rupie erscheint nach der Schwäche im Vorjahr daher deutlich begrenzt. Steuersenkungen und -vereinfachungen im Rahmen einer expansiven Fiskalpolitik sowie eine lockere Geldpolitik könnten das Wachstum in den kommenden Quartalen beschleunigen. Aufgrund des niedrigen Inflationsniveaus besteht zudem Spielraum für Zinssenkungen.

Auch in Südamerika konnten Anleger 2025 starke Kursgewinne verbuchen. Die Aktienmärkte in Brasilien und Mexiko legten in Euro gerechnet jeweils um mehr als 30 Prozent zu. In Mexiko beruhigte sich im Jahresverlauf die anfängliche Sorge über die US-Handels- und Zollpolitik. In Brasilien wiederum wuchs die Wirtschaft trotz erheblicher Zinserhöhungen weiter – ein Zeichen für die Widerstandsfähigkeit der Volkswirtschaft.

Unterm Strich überwiegt der konstruktive Ausblick. Eine breit diversifizierte Ausrichtung erscheint sinnvoll, mit einem klaren Fokus auf Qualitätsunternehmen. Dabei gelten dieselben Kriterien wie in global ausgerichteten Aktienportfolios.

Gleichzeitig bleiben die Unsicherheiten vielerorts hoch: zunehmende geopolitische Risiken, weiter gestiegene Verschuldungsniveaus sowie offene Fragen zur weiteren Entwicklung des KI-Booms und zu den Monetarisierungsmöglichkeiten dieser Investitionen. Dem stehen jedoch weiterhin bestehende säkulare Wachstumstrends in den Emerging Markets gegenüber.

Vor diesem Hintergrund erscheinen die Bewertungen vieler Aktien aus den Wachstumsmärkten nach wie vor attraktiv. Da auch in vielen entwickelten Märkten die Unsicherheiten hoch sind, könnte es ratsam sein, einem klassischen Aktienportfolio gezielt Titel aus den Emerging Markets beizumischen.

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von und mit Flossbach von Storch

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