00:00:02: KI – Digitale Diversifikation.
00:00:06: Warum wir uns darauf fokussieren, möglichst breit in den Technologiebereich zu investieren?
00:00:12: Flossbach von Storch Podcast.
00:00:16: Im aktuellen Hype um künstliche Intelligenz-KI erzeugt der Markt schnelle Narrative von Gewinnern und Verlierern.
00:00:24: Das führt zu extremen Marktbewegungen bei Technologietiteln.
00:00:29: Dabei ist die Frage welche Firmen langfristig solide Geschäftsmodelle aus der Technologie entwickeln können und welche unter Druck gesetzt werden, längst noch nicht abschließend beantwortet.
00:00:41: Um dennoch von diesen Entwicklungen zu profitieren ohne allzu große Risiken einzugehen, plädieren wir für eine diversifizierte Positionierung.
00:00:51: Technologie ist ein breites Feld!
00:00:53: In der Theorie teilt zwar der Global Industry Classification Standard, auch GICS genannt des Indexanbieters MSCI, Unternehmen klar in elf Sektoren ein und Informationstechnologie ist einer davon.
00:01:09: In der Praxis aber ist es weit weniger eindeutig – so wird der Online-Versandhändler Amazon in den Bereich zyklischer Konsum eingeordnet, obwohl das Unternehmen auch eine der führenden Dienstleister im Cloudgeschäft
00:01:22: ist.".
00:01:23: Die nicht nur Google-Mutter Alphabet und die nicht nur auf soziale Netzwerke konzentrierte Meta gelten zudem als Kommunikationsdienste, obwohl ihr Geschäftsmodell viel mehr im Verkauf von Werbung besteht.
00:01:36: Bei Technologie viele Industrien durchzieht, betrachten wir die aktuellen Entwicklungen lieber vor dem Hintergrund der gesamten digitalen Wertschöpfungskette.
00:01:46: Dazu zählen wir Software, die von Verbrauchern oder Unternehmen genutzt wird und solche, die hinter den sogenannten Finanzinformationsfirmen steckt.
00:01:56: Hinzu kommt die Hardware, die in-und umrechenzentren verbaut wird.
00:02:01: Alle vier Bereiche werden derzeit vor allem von den Entwicklungen in der KI beeinflusst und von einigen Marktnarrativen beherrscht – egal ob Reiseportales, Streamingdienste, Fahrdienstleister oder sozialen Netzwerke!
00:02:16: Sie alle funktionieren aufgrund des Netzwerkeffekts am besten mit möglichst vielen Nutzern.
00:02:23: Bei dieser Art von Software aus dem Konsumentenalltag lautete daher bisher auch unser Credo, die Großen werden immer größer.
00:02:31: Aktuell stellt sich aber die Frage ob der Aufstieg von KI Chatbots – auch Assistenten oder Agenten genannt wie ChatGPT – daran etwas ändert.
00:02:43: Dafür spricht, dass am Ende alle Firmen um die Aufmerksamkeit der Kundenbuhlen diese aber nur vierundzwanzig Stunden am Tag haben.
00:02:52: Ein Zuwachs bei einer App bedeutet daher einen Rückgang bei einer anderen.
00:02:57: So setzte sich zwischenzeitlich das Narrativ durch.
00:03:00: Chat GPT und Suchmaschinen könnten nicht nebeneinander existieren sondern die bessere Variante würde sich bei Kunden durchsetzen.
00:03:09: Bei Meta und Netflix wirkte der Markt aus unserer Sicht dagegen eher sorglos.
00:03:14: Dabei zeichnet sich ChatGPT durch Kreativität aus, die in Zukunft genutzt werden könnte um etwa in die Bereiche soziale Medien- und Videoproduktionen zu expandieren.
00:03:27: Welche bestehenden Firmen also künftig durch Chatbots unter Druck gesetzt werden können hängt stark von den Details der Geschäftsmodelle.
00:03:39: Bestätigt sich beispielsweise, dass Chatbots besonders gut im Aufspüren spezieller und seltener Informationen sind würde das bestimmte Anbieter bedrängen selbst wenn sie bisher die Platzhörsche waren.
00:03:51: Anstatt also den groben Narrativen zu folgen zu denen der Markt mit unterneigt müssen die Geschäftsmodelle Disruptionsgefahren- und KI Entwicklungen genau beobachtet werden.
00:04:04: eine verfrühte Einteilung in KI Gewinner und Verlierer ist nicht ratsam.
00:04:10: Software für Unternehmen Brauchen Sie mehr oder weniger?
00:04:15: Der Bereich von Unternehmenssoftware hat sich über viele Jahre durch hohe Vorhersehbarkeit ausgezeichnet, ist doch ein Anbieterwechsel für Unternehmenkunden meist mit hohem Aufwand verbunden.
00:04:28: Nun aber gibt es auch hier die Diskussion ob es zu einer Disruption durch KI kommen wird und wie sich die Preissetzungsmacht der Anbiter verändern könnte.
00:04:37: Drei Aspekte werden hier vor allem diskutiert.
00:04:41: Erstens, Unternehmenssoftware wird aufgrund des Hinzufügen von KI-Funktionen immer effektiver so dass Unternehmenkunden in Zukunft Personal abbauen könnten und in der Folge weniger Bedarf an Software-Lizenzen für ihre kleinere Belegschaft haben.
00:04:57: Demgegenüber steht das Argument, dass Mitarbeiter durch KI produktiver werden und die dadurch erzielten Effizienzgewinne zwischen Softwareanbieter und Kunde aufgeteilt werden.
00:05:09: Wir tendieren bei manchen Unternehmen zu dieser Sicht.
00:05:13: Zweitens argumentieren Skeptiker, dass Unternehmenssoftware-Anbietern die neue KI-Features anbieten gezwungen werden eine andere Preissetzungspolitik anzunehmen.
00:05:24: Historisch gesehen hätten sie zu viel verdient, weil sie bisher auf Bündelangebote die unterschiedliche Programme nur kombiniert verkaufen und Abos mit möglichst langer Laufzeit bestanden haben.
00:05:36: Das könnte nun zum Nachteil werden!
00:05:39: Manche Unternehmen argumentieren zwar, dass das Hinzufügen von KI-Features Argumente für Preiserhöhungen wären und sich nutzungsbasierte Komponenten einbauen lassen, sodass viel Nutzer in Zukunft stärker zur Kasse gebeten werden könnten.
00:05:55: Doch aktuell ist eine Zahlungsbereitschaft für zusätzliche KI Features von Kunden etablierter Software nicht zu beobachten!
00:06:04: Auch die Umstellung von Preismodellen, weg von Abo-Modellen hin zu einer nutzungsbasierten Zahlweise dürfte aus unserer Sicht Herausforderungen bieten.
00:06:15: Drittens – so wie Vermutungen – könnte das Geschäft von Softwareanbietern gefährdet sein sollten Aufgaben künftig nicht mehr von Menschen durchgeführt werden sondern von einer KI.
00:06:26: Noch halten wir dieses Szenario für die meisten Bereiche allerdings für verfrüht.
00:06:31: So sind Start-ups die Agenten bauen auf Daten angewiesen.
00:06:35: Und wir beobachten seit einiger Zeit, dass Platzhirsche unter den Softwareanbietern den Zugang zu diesen Daten versperren.
00:06:43: So gelingt es den Anbieter sich Zeit zu erkaufen um Agentenfunktionen in ihre eigenen Produkte einzubauen.
00:06:51: Dienstleistungen, die stark auf aktuellen Daten basieren könnten daher weniger KI.
00:06:56: Druck spüren Kreditkartenanbieter, Börsenbetreiber aber auch Data & Analytics Firmen wie S&P Global.
00:07:05: Sie alle profitieren nicht nur vom Netzwerkeffekt sondern sie machen auch Daten direkt und indirekt zu Geld.
00:07:13: So verarbeiten Kredit-Kartenanbeater täglich Milliarden von Transaktionen.
00:07:18: Dabei entstehen granulare Daten, wer hat wo was wann gekauft über welches Gerät die monetarisiert werden in dem beispielsweise Risikotools zum frühzeitigen Erkennen von Betrugsanomalien verkauft werden.
00:07:32: Auch Börsenbetreiber verkaufen nicht nur Handelsdaten sondern auch Analyse-Tools für Risikocontrolling.
00:07:40: Wird KI solche Geschäfte in Zukunft erschweren?
00:07:44: Den Markt treibt diese Sorge spätestens seit Mitte September zweitausendfünfundzwanzig um.
00:07:50: Damals löste ein Quartalsergebnis des US-amerikanischen Finanzdatenunternehmens FACZ eine Verkaufswelle unter Finanzinformationsaktien aus.
00:08:00: Das Management dort hatte angekündigt, dass es investieren und die Marge im kommenden Jahr entsprechend etwas zurückgehen werde ohne das es einen entsprechenden Anstieg beim Umsatz in Aussicht stellte.
00:08:13: Ein Broker schrieb daraufhin, auch wenn es sich nicht um eine völlige Disruption durch KI handelt steigen die Kosten für die Geschäftstätigkeit eindeutig.
00:08:25: Das mag für Firmen aus diesem Bereich stimmen, die nur über einen relativ kleinen Anteil von eigenen Daten verfügen – dies trifft aber aus unserer Sicht keinesfalls auf die gesamte Branche zu!
00:08:36: Wir gehen daher bei jedem Unternehmen mit weiterführenden Fragen ins Detail.
00:08:41: wie sind die Daten schwer replizierbar?
00:08:44: Sind Sie eingebettet in einen Arbeitsablauf?
00:08:47: Werden sie durch Firmen-Input angereichert, sind Sie durch Regulierung geschützt.
00:08:52: Sind Sie für Kunden Ausdruck von Legitimation und Laubwürdigkeit?
00:08:57: Wo das bejaht werden kann sehen wir oft Potenzial.
00:09:02: Der vierte und letzte Teil unserer digitalen Wertschöpfungskette Hardware lässt sich seinerseits in drei Bereiche gliedern Erstens Chips die in einem Datenzentrum verbaut werden.
00:09:14: Zweitens, das Datenzentrum selbst.
00:09:16: und drittens – alles was es braucht um das Datencentrum in Betrieb zu halten.
00:09:23: All diese Bereiche haben in den vergangenen Jahren aufgrund der KI Nachfrage einen strukturellen Schub erfahren.
00:09:30: Dennoch sehen wir auch Risiken!
00:09:32: Im Chip-Bereich waren diese bis Mitte September, für Aktionäre von Intel sichtbar denn die Firma hat massiv Marktanteile verloren.
00:09:43: Auch im Halbleiterbereich hebt die Flut eben nicht alle Schiffe.
00:09:47: Allerdings sind es nur sehr wenige Schiffe, die es zu beobachten gilt.
00:09:51: Unter Chip-Designern gibt es mit NVIDIA, Broadcom und AMD – im Grunde nur drei signifikante Unternehmen.
00:09:59: Bei Design Software sind es mit Cadence & Synapsis zwei.
00:10:04: unter den Chip-Produzenten Und unter den Equipment-Lieferanten sind es mit ASML, Applied Materials, LAM Research, KLA und Tokyo Electron V. Die oligopolitische Natur trifft auch auf dem zweiten Bereich zu – die Cloudinfrastruktur!
00:10:26: Die drei Anbieter AWS von Amazon, Azure von Microsoft und GCP von Alphabet kommen aktuell auf einen Markteinteil von mehr als neunzig Prozent.
00:10:37: Allerdings ist ihr größter Zulieferer Nvidia bedacht, ihre Verhandlungsmacht zu verringern und beliefert bevorzugt neue Anbieter – sogenannte Neoclouds um Oracle, CarWave und Nibius mit seinen Hochleistungships.
00:10:54: Das soll die drei dominanten Anbiter unter Druck bringen!
00:10:58: Dass solche Versuche aber ihre Tücken haben bekamen die Aktionäre von Oracle zu spüren….
00:11:05: War der Aktienkurs nach Bekanntgabe der Kooperation mit Nvidia ab September, twenty-fünfundzwanzig steil nach oben gegangen, büßte er in der Folge zeitweise etwa forty-fünfundvierzig Prozent ein.
00:11:17: Der Markt wägt eben genau ab wie profitabel jedes geplante Datenzentrum ist.
00:11:24: Beim dritten Hardwarebereich den Enablern geht es ruhiger zu.
00:11:28: Firmen wie der Steckverbindungshersteller Amphenol, Siemens oder Schneider Electric sorgen dafür dass der Strom zuverlässig ins Datenzentrum gelangt und dort verteilt wird.
00:11:40: Wer sich unter Verbraucher, Unternehmens- oder Finanzinformationssoftware durchsetzt kann diesen Unternehmen ebenso egal sein wie die Frage welcher Chip zum Einsatz kommt.
00:11:51: Zudem macht der KI Trend zusammen mit Automatisierung nur etwa fünfzig Prozent der Umsätze aus.
00:11:58: Diese Firmen profitieren also von der aktuelle Nachfrage nach KI-Rechenzentren, ohne davon abhängig zu sein.
00:12:07: Die digitale Wertschöpfungskette zieht sich also durch viele Industrien mit jeweils besonderen Vor und Nachteilen im Hinblick auf den KI Fortschritt.
00:12:16: Dafür gängige Marktnarrative sorgen zwar oft für Kursbewegungen sind aus unserer Sicht aber nicht immer gerechtfertigt.
00:12:24: Bei einigen Softwarefirmen im Unternehmensbereich beispielsweise halten wir Disruptionserwartungen für übertrieben.
00:12:31: Zum einen gehen hier Veränderungen in der Regel nicht sehr schnell vonstatten, wie die seit vielen Jahren andauernde Migrationen von Unternehmenstaten in die Cloud zeigt – zum anderen kann KI durchaus auch eine Opportunität für Platzhörsche sein!
00:12:46: Wir fokussieren uns daher darauf, Unternehmen sorgfältig zu analysieren und ausgewogen und diversifiziert entlang der Wertschöpfungskette zu investieren.
00:12:58: So wollen wir die Chancen dieser außergewöhnlichen Entwicklungen nutzen ohne übermäßige Risiken einzugehen.
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