Zeigen Gig-Arbeiter aus China die Zukunft der Arbeit?
Shownotes
Wirtschaftsmotor, Supermacht, Parteidiktatur. Wer sich für globale Trends interessiert, der blickt nach China. Die Analystin Shenwei Li berichtet von ihren Erfahrungen – subjektiv, aus dem Blickwinkel einer Chinesin. Diesmal geht es um den Zuwachs von nicht regulären Arbeitsverhältnissen in ihrem Land.
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00:00:03: Zeigen Gigarbeiter aus China die Zukunft der Arbeit?
00:00:07: Der Flosbach von Storch Podcast.
00:00:10: Wirtschaftsmotor, Supermacht, Parteidiktatur.
00:00:14: Wer sich für globale Trends interessiert, der blickt nach China.
00:00:18: Die Analystin Shenwei Li berichtet von ihren Erfahrungen subjektiv aus dem Blickwinkel einer Chinesen.
00:00:25: Diesmal geht es um den Zuwachs von nicht regulären Arbeitsverhältnissen in ihrem Land.
00:00:31: Auf den ersten Blick klingt es nach Freiheit und Modern.
00:00:36: Sogenannte Gig-Arbeiter wickeln kurzfristig Aufträge ab, die meist über digitale Plattformen vergeben werden.
00:00:43: Sie sind an keine festen Arbeitszeiten und Verträge gebunden.
00:00:47: sie arbeiten wann und wie sie möchten.
00:00:49: bezahlt wird per Auftrag.
00:00:52: Den Unternehmen kommt diese Flexibilität in Zeiten der künstlichen Intelligenz, in der Arbeitsprozesse in immer mehr Aufgaben aufgeteilt und relativ leicht koordiniert werden können – jedenfalls sehr entgegen.
00:01:05: Und so arbeiten in China bereits siebenundzwanzig Prozent aller Erwerbstätigen als Gig-Arbeiter.
00:01:11: Im öffentlichen Dienst sollen es sogar drehenvierzig Prozent sein!
00:01:15: Dabei verstehen wir unter Gigarbeit offiziell eine Tätigkeit ohne Arbeitsvertrag, wobei mehr als eine Arbeitsstunde pro Woche und gegen Entgelt gearbeitet werden muss.
00:01:26: Diesen erstaunlich hohen Anteil hat das chinesische Zeichennmagazin ermittelt.
00:01:32: So gibt es nach offiziellen Daten in China circa siebenhundertvierzig Millionen Erwerbstätige davon vierhundertsiebzig Millionen städtische Erwerbstätige.
00:01:41: dem stehen zweihundert Millionen Gigarbeiter gegenüber.
00:01:45: Dabei war es bei uns vor zehn Jahren ein Minderheitsphänomen.
00:01:50: Wie wurde die Gigarbeit so rasch zum Mainstream?
00:01:54: Eineseits dürfte die anhaltende Makroschwäche unserer Wirtschaft geholfen haben, die Zahl der Gigarbeiter nach oben zu treiben.
00:02:02: So ist die durchschnittliche Lebensdauer von privaten Unternehmen zuletzt deutlich gefallen, sodass sich langjährige Arbeitsverträge in der Privatwirtschaft oft nicht lohnen.
00:02:13: Zudem berichteten von Tsai-Shin befragte Unternehmen, dass sie zehn Prozent aller Arbeitsstellen als Gig-Stellen auslagern und allein damit zwischen zwanzigund dreißig Prozent der Personalkosten sparen können.
00:02:26: Denn für Festangestellte müssen Arbeitgeber Abgaben für die Sozialversicherung abführen – und das sind immerhin fünfunddreißig prozent vom Bruttogehalt – während keine solche Kosten für Gigarbeiter zu übernehmen
00:02:39: sind.".
00:02:40: Auch müssen Unternehmen mit strengeren arbeitsrechtlichen Vorschriften rechnen, wenn sie einem fest angestellten Mitarbeiter kündigen wollen.
00:02:47: Gigarbeiter haben keinen Schutz und so würden mehr als zweiundfünfzig Prozent der befragten Unternehmen den Anteil der Gigarbeiter gerne noch weiter aufstocken.
00:02:58: Davon profitieren Personalvermittlungsunternehmen die bei uns in der Lage sind innerhalb von drei Stunden zehn Gigarbeitern für ein Unternehmen zu finden und den Kontakt herzustellen.
00:03:10: Die Anzahl solcher Vermittlungsunternehmen hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht.
00:03:16: In vielen Medienberichten sind Gigarbeiter jung, sie scheinen sich meist aktiv für einen Gig statt für einen angestellten Job zu entscheiden weil eine solche Arbeit mehr Flexibilität bietet und bei einem Misserfolg in der Regel Eltern oder Familien für eine Unterstützung bereitstehen.
00:03:34: Gigarbeiter die hingegen älter sind als dreißig Jahre haben oft keine andere Wahl.
00:03:40: Siebenundsiebzig Prozent der von Magazinzeitschinn befragten Fahrdienstleister gaben beispielsweise an, dass sie nach dem Jobverlust Fahrer für Plattformen geworden sind.
00:03:50: Wobei mehr als die Hälfte damit für die einzige oder hauptsächliche Einkommensquelle der Familie
00:03:55: sorgen.".
00:03:57: Das Problem?
00:03:58: Die Anzahl von Taxifahrern und Fahrdienstleistern im Personennverkehr ist zwischen den Jahren und Jahrzehnte bis zum Ende des Jahres um eine Hundertneun-undfünfzig Prozent gestiegen, während die Aufträge nur um achtunddreißig Prozent gewachsen sind.
00:04:15: Entsprechend länger müssen einzelne Fahrer für ein auskömmliches Salär heute arbeiten!
00:04:21: In der Nebensaison arbeiten bei uns zudem ein Drittel aller Bauarbeiter als Freiberufler, in der Hochsaison sind es zwei Drittel.
00:04:29: Auch in manchen Internetfirmen gibt es zurzeit mehr freiberufliche als Festangestellte – in anderen Geschäftsbereichen wie im Online-Kundendienst liegt der Outsourcinganteil sogar bei siebzig Prozent!
00:04:42: Nach einer Studie von G-Pin verdienen fortyfünf Prozent bei Dienstleistungen wie Personenfahrten oder Paketzustellung zwischen zehntausend und fünfzehntausend Rennminbi pro Monat.
00:04:54: Und bewegen sich damit im oberen Bereich des Segments, das ist jedoch nicht überall so.
00:05:00: Doch vor allem sind Gigarbeiter von schwankenden Einkommen betroffen und müssen sich selbst versichern – es besteht jedoch kein Versicherungszwang!
00:05:10: Wenn Sie sich für die gesetzliche Sozialversicherung entscheiden, unterliegen sie den gleichen Setzen wie festangestellte Arbeitnehmer mit einem entsprechenden Bruttoverdienst.
00:05:19: Allerdings müssen Gigarbeiter auch den Arbeitgeberanteil von thirty-fünf Prozent selbst zahlen!
00:05:26: Das können sich viele nicht leisten – Die obige Studie zeigt dass beispielsweise nur zehn Prozent der befragten Essenzustelle den aktuellen Sozialversicherungssatz für angemessen halten.
00:05:39: Auf dem vergangenen Volkskongress wurde dafür plädiert, dass Plattformen hier stärker in die Verantwortung gehen sollen.
00:05:46: Wenn man bedenkt, das die gesamte Gigbelegschaft in China inzwischen fast dreißig Prozent aller Erwerbstätigen ausmacht sind jedenfalls dringend Lösungen gefragt.
00:05:58: Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten wenn ein derart großer Teil wegen hoher Sozialversicherungskosten unser System verlassen würde.
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