Sind Anleihen wieder interessant?
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00:00:02: Sind Anleihen wieder interessant?
00:00:09: Die Renditen von Staatsanleihen sind zuletzt rasant gestiegen.
00:00:13: Das liegt auch an einer Schuldenflut, die keine Grenzen kennt.
00:00:17: Ein Blick nach Frankreich und in den USA zeigt womit Bond-Anleger rechnen müssen und warum die Anlageklasse wieder einen Blick wert ist.
00:00:27: Lange Zeit standen Anleihen aufgrund ihrer mageren Renditen weniger im Fokus unserer flexiblen Multi-Asset-Anlagestrategien, die üblicherweise relativ hohe Aktienquoten haben.
00:00:39: Das Rendite-Risikoverhältnis von Bonds war aus Sicht dieser Anlagestrategien nicht sonderlich attraktiv, weil niedrige Zinskupons kaum einen Schutz gegen drohende Kursverluste boten.
00:00:52: Das beginnt sich nun aber zu ändern!
00:00:55: In der Eurozone haben die Renditen von Staatspapieren in den vergangenen Monaten deutlich zugelegt und reichen von drei, fünf Prozent für zehnjährige deutsche Bundesanleihen bis zu vier, neun Prozent für zehn- jährige französische Staatspapers.
00:01:11: Fast Fünf Prozent für Anleihen eines ehemaligen Kernlands der Eurozone und der zweitgrößten Volkswirtschaft der EU klingen verlockend!
00:01:21: Die Bonitätsnote Frankreichs ist gut und liegt bei A+.
00:01:26: Aufsichtsrechtlich gelten französische Staatsanleihen sogar als risikofrei, und Banken dürfen sie deshalb mit einem Risikogewicht von null Prozent behandeln.
00:01:36: Doch am Bondmarkt sieht man das anders!
00:01:39: Frankreich gilt inzwischen als fragilster Schuldner der Eurozone – und muss für neu ausgegebene Anleihen höhere Zinsenzahlen als Italien und Griechenland.
00:01:50: Der Risikoaufschlag, auch Spread genannt gegenüber deutschen Bundesanleihen ist mit einem Prozentpunkt so hoch wie zuletzt in der Euro-Krise.
00:02:01: Die Staatsschulden von gut drei Tausend Fünfhundert Milliarden Euro entsprechen fast ein Hundertzwanzig Prozent der Wirtschaftsleistungen.
00:02:10: Der Sozialstaat ist aus dem Ruder gelaufen die Wirtschaft schwächelt und die Haushaltsdefizite bleiben hartnäckig hoch.
00:02:19: Ein weiterer Anstieg der Staatsschuldenquote scheint unvermeidbar.
00:02:23: Das chronisch reformunwillige Land ist damit zum neuen Sorgenkind der Eurozone geworden.
00:02:29: Im nächsten Frühjahr stehen Präsidentschaftswahlen an, was die Verunsicherung der Investoren weiter erhöht.
00:02:37: Eine pleite Frankreichs also ein Schuldenschnitt ist aber nicht zu erwarten.
00:02:42: Am Ende bürgt die gesamte Eurozone indirekt über die Europäische Zentralbank kurz EZB für Frankreich.
00:02:50: In der Euro-Krise haben wir gelernt, dass der Zusammenhalt der Eurozone ein unumstößlicher politischer bzw.
00:02:57: geldpolitischer Wille ist – whatever it takes.
00:03:02: Hinzu kommt das Frankreich als too big to fail gilt denn eine Staatspleite würde eine massive Finanzkrise auslösen.
00:03:10: Im Zweifel dürfen Anleger also darauf vertrauen, dass die EZB eingreift und französische Staatsanleihen kauft um den Zinsanstieg zu stoppen.
00:03:20: Dazu müsste sie das Transmission Protection Instrument kurz TPI aktivieren.
00:03:26: Dieses soll sicherstellen, daß die Geldpolitik in allen Ländern des Euro-Raums ähnlich wirkt und nicht durch stark auseinanderlaufende Staatsanleihe Renditen gestört wird.
00:03:38: Die EZB müsste zu dem Schluss kommen, dass die hohen Renditen französischer Staatspapiere fundamental ungerechtfertigt sind – die Staatsverschuldung tragfähig ist und das Frankreich die EU-Fiskalregeln einhält.
00:03:52: Diese Kriterien werden derzeit aber nicht oder nur bedingt erfüllt.
00:03:57: Letztlich spielt das aber keine Rolle, denn die EZ B besitzt bei der Auslegung einen großen Ermessensspielraum weshalb das TPI-Instrument de facto eine Kartblanche ist.
00:04:09: Damit die EZB Frankreich mit Stützungskäufen unter die Arme greifen kann, muss die Schieflage aber gravierend sein.
00:04:17: Der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen müsste noch weiter steigen und damit auch die absoluten Renditen auf deutlich höhere Niveaus heben.
00:04:27: Eine solche Intervention würde aber nicht nur eine Demütigung der Grand-Nation, sondern auch ein gefährliches Unterfangen für die EZB.
00:04:36: Sie würde damit einen enormen Fehlanreiz schaffen oder auch Moral Hazard genannt.
00:04:42: Wenn Investoren zukünftig darauf vertrauen können dass die EZZB im Krisenfall als Retterin der letzten Instanz eingreift warum sollten diese dann noch Anleihen solider Schuldner kaufen die viel weniger Rendite bieten?
00:04:56: Das Signal an die Regierungen der Euro-Länder wäre ebenfalls fatal.
00:05:01: Fiskaldisziplin würde nicht mehr belohnt, sondern bestraft!
00:05:06: Soweit muss es aber nicht kommen wenn der Bondmarkt seine Macht als ultimatives Korrektiv jeder Regierung auch in Frankreich frei entfalten kann und den Staat zu Reformen zwingt bevor ein eingreifender EZB unausweichlich wird.
00:05:22: Der gestiegene Risikoaufschlag französischer Staatsanleihen hat auch die Risikoeufschläge bei Anleihen anderer hochverschuldeter Länder, vor allem Italien erhöht.
00:05:33: Noch wäre es übertrieben von einer erneuten Euro-Krise zu sprechen – aber parallelen sind erkennbar und haben den Euro gegenüber dem US-Dollar zuletzt auf den tiefsten Stand seit Mai.
00:05:48: Bezeichnenderweise ist das Vertrauen in bonitätsstarke Unternehmen, inzwischen größer als in Staatspapiere Frankreichs oder Italiens.
00:05:57: Euro-Unternehmensanleihen hoher Bonität bieten wieder Renditen von bis zu vier Komma fünf Prozent und damit deutlich mehr als vermeintlich erstklassige Bundesanleien.
00:06:08: Noch höher ist das Zinsniveau in den USA wo zehnjährige Staatsanleihen inzwischen deutlich mehr.
00:06:17: Die Gründe sind eine hauptnäckig hohe Inflation und eine stark wachsende Wirtschaft, die von hohen Konsumausgaben und vom KI-Investitionsboom profitiert.
00:06:27: Das Nominalwachstum liegt mit rund sechs Prozent – also dem Realwachstums zuzüglich der Preissteigerungen sogar noch über den aktuellen Renditen zehnjähriger US-Trageries!
00:06:39: Der Versuch von Finanzminister Scott Bessend, die Renditen langlaufender Papiere durch gezielte Käufe zu drücken darf als gescheitert bezeichnet werden.
00:06:49: Auch in den USA lässt der Bondmarkt die Muskeln spielen wenn gleich die gestiegenen Renditen hier nicht wie in Frankreich als Krisensymptom zu bewerten sind.
00:06:59: Solange das Wirtschaftswachstum hoch bleibt und einen weiteren Anstieg der Staatsverschuldung bremst oder stoppt, drohen US Treasuries nicht zu Krisenanleihen zu werden.
00:07:10: Ein Anstiegt der Renditen auf bis zu sechs Prozent ist aber denkbar wenn die Wirtschaft in den USA weiter rund läuft und die Inflation deutlich über der Zielmarke von zwei Prozent verhaart.
00:07:22: Dieses Renditenniveau lässt sich aktuell bereits mit Anleihen bonitätsstarker Unternehmen erzielen.
00:07:29: Damit bieten sie einen guten Puffer gegen Kursverluste, die im Falle eines weiteren Renditeanstiegs zu erwarten sind.
00:07:37: Auch bei einer hartnäckig hohen Inflation von drei bis vier Prozent bliebe noch eine attraktive Realverzinsung übrig.
00:07:45: Das Dollar-Risiko dürfte angesichts der chronischen Wachstumsschwäche in der Eurozone überschaubar bleiben.
00:07:53: Das verbesserte Verhältnis von Zins ertrag zu Risiko, kurzfristig in Form möglicher Kursverluste und langfristig durch Inflation hat uns bewogen Anleihen wieder auch in unseren flexiblen Multi-Asset Portfolien stärker bei der Vermögensallokation zu berücksichtigen.
00:08:11: Langfristig ist dabei entscheidend wie viel von den nominalen Rendite nach Abzugteinflation real übrig bleibt.
00:08:20: Was bedeutet das alles für Anleger?
00:08:23: Anleihen sind insgesamt wieder attraktiver geworden, soweit man dies am nominalen Zins festmachen kann der bei Unternehmensanleihen hoher Bonität inzwischen sechs Prozent in US-Dollar und vier Komma fünf Prozent in Euro beträgt.
00:08:39: Das sollte ausreichen um auch nach Abzug der Inflation noch eine auskömmliche Realverzinsung zu erhalten.
00:08:46: Wir haben Anleien in unseren gemischten Portfolien wieder stärker in der Vermögensallokation berücksichtigt Selektiv – mit Fokus auf erstklassige Schuldner.
00:09:00: Mit dieser Veröffentlichung wird kein Angebot zum Verkauf, Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren oder sonstigen Titeln unterbreitet.
00:09:09: Die enthaltenen Informationen und Einschätzungen stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlungen dar.
00:09:15: Rechtliche Hinweise finden Sie in den Shownotes!