Braucht die Wirtschaft Zuwanderung?
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00:00:02: Braucht die Wirtschaft Zuwanderung?
00:00:05: Flosbach von Storch Podcast.
00:00:09: Die Migrationsdebatte war in den vergangenen Jahren immer wieder Auslöser für gesellschaftliche und politische Spannungen.
00:00:17: Dies gilt für zahlreiche europäische Staaten, aber auch für die vereinigten Staaten von Amerika.
00:00:24: Die USA vollzogen unter Präsident Donald Trump gar eine historische Kehrtwende ihrer tief verwurzelten Einwanderungspolitik.
00:00:33: Wo stünden unsere Volkswirtschaften eigentlich ohne Zuwanderung?
00:00:39: Sonntag der vierzehnte Juni-Zweitausendsechsundzwanzig, Zürich.
00:00:44: Ein Tag wie aus dem Bilderbuch.
00:00:46: Überwiegend sonnig mit Temperaturen um die sechsundzwantzig Grad Celsius.
00:00:51: Ideales Wetter also, um die Sonnenbrille auszupacken und das Panorama am Zürigssee zu genießen – eigentlich!
00:01:00: wären nicht am gleichen Tag die vierhundertzwanzigtausend Einwohner der Stadt aufgefordert gewesen, an der Volksabstimmung über die «keine zehn Millionen Schweiz-Initiative teilzunehmen».
00:01:13: Im Kern der Abstimmung ging es um die anhaltend hohe Zuwanderung ins kleine Alpenland und daran anknüpfend um die Frage ob dem jetzt ein Riegel vorgeschoben werden sollte.
00:01:25: Ein brisantes Thema auch für die Zürcher Stadtbevölkerung!
00:01:29: Nicht zuletzt, weil der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung im vergangenen Jahr mit thirty-nine Prozent einen neuen Höchststand in der einwohnerreichsten Stadt der Schweiz markierte.
00:01:42: Lediglich neunzehntundzwölf wurde mit thirty vier zwei Prozent ein noch höherer Ausländeranteil verzeichnet.
00:01:51: das Problem Ende twenty-fünfundzwanzig lebten bereits rund neunkoma eins Millionen Personen in der Schweiz und in einigen Jahren könnten es zu viele sein, so die Sicht der Befürworter der Volksabstimmung.
00:02:06: Denn das Schweizer Bevölkerungswachstum hat sich in der jüngeren Vergangenheit spürbar beschleunigt – einen Trend dem voraussichtlich kein unmittelbarer Abbruch bevorsteht!
00:02:19: Seit dem Jahr two-tausendzwei, in dem die Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und den EU-Staaten geregelt wurde ist die Bevölkerung um eins Komma sieben Millionen Menschen angewachsen.
00:02:31: Das ist hauptsächlich auf die Zuwanderung zurückzuführen.
00:02:35: so lag der Wanderungssaldo in diesem Zeitraum bei durchschnittlich rund sechsundsechzig tausend Siebenhundert Personen pro Jahr.
00:02:42: immer mehr Menschen strömen also in die Schweiz allen voran Deutsche Franzosen, Italiener, Portugiesen aber auch Spanier und Menschen aus dem Vereinigten Königreich suchten in diesem Jahrtausend ihr Glück in der Alpenrepublik.
00:02:58: Allein diese sechs Nationen stellten die Hälfte der Einwanderer.
00:03:03: Auf der einen Seite ist diese Migration auch explizit erwünscht.
00:03:08: In den Erläuterungen des Schweizer Bundesrates zur Volksabstimmung heißt es etwa wie viele Menschen zuwandern hängt vor allem vom Arbeitsmarkt ab.
00:03:17: Floriert die Wirtschaft, so finden Unternehmen nicht genügend Arbeitskräfte in der Schweiz.
00:03:23: Unternehmen aber auch öffentliche Einrichtungen wie Spitäler und Pflegeheime rekrutieren dann fehlende Fachkräfte häufig im EU-Raum.
00:03:33: Kurz um – das Schweizer Wirtschaftsmodell und der Wohlstand des Landes sind zwingend auf die ausländischen Fachkräften angewiesen.
00:03:41: Auch deswegen empfahlen Bundesrat und Parlament gegen die Volksinitiative zu stimmen!
00:03:47: Knapp fünfundfünfzig Prozent der abgegebenen Stimmen folgten diese Empfehlung, womit die Initiative keine zehn Millionen Schweiz verworfen wurde.
00:03:57: Doch Herausforderungen, die der Abstimmung zugrunde lagen bleiben vorerst ungelöst.
00:04:04: Die Arbeitsmigration begleitet die prosperierende Schweiz bereits seit vielen Jahrzehnten wirtschaftlich dringend geboten, geben sich die Schweizer auch abseits der Arbeitszuwanderung weit mehrheitlich als weltoffenes Volk.
00:04:19: In einer Erhebung des Bundesamts für Statistik zum Zusammenleben in der Schweiz gaben zwei Drittel der Schweizer an Freundschaften zu Nichtschweizern zu pflegen.
00:04:30: Hinzu kommt dass ein Großteil der Neuschweizer ohnehin längst einen Schweizer Pass besitzt.
00:04:36: So verzeichnete das kleine Alpenland in diesem Jahrtausend bereits mehr als eine Million Einbürgerungen.
00:04:43: Zum Vergleich, Deutschland – dass gut neunmal so viele Einwohner hat – kommt zwischen zweitausend und zweitausendsvierundzwanzig auf knapp drei Komma sechs Millionen Einbürggerungen.
00:04:55: Bezogen auf die Bevölkerungsgröße ist die Zahl der Einbürgarung in Deutschland also nicht einmal halb so hoch.
00:05:03: Nichtsdestotrotz können positive Botschaften wie diese, die von einer gelungenen Integration zeugen nicht darüber hinwegtäuschen dass massive Bevölkerungswanderungen – wie sie die Schweiz in den vergangenen Jahrzehnten erlebte auch mit einer Reihe von ernst zu nehmenden Herausforderungen verbunden sind.
00:05:23: Ein Hauptaugenmerk der Volksinitiative lag etwa auf der Wohnungsnot und den höheren Mieten.
00:05:30: So leidet die Schweiz, gefühlt schon immer unter Wohnungsmangel.
00:05:35: Seit den letzten Jahren betrug die Leerstandskwote bei Wohnungen und ein Familienhäusern stets weniger als zwei Prozent.
00:05:43: Zwischen Jahrzehntausend zwanzig und zweitausendfünfundzwanzig sank sie gar von einskoma siebenzwei auf einskomma nullnull Prozent.
00:05:52: Eine alte Faustregel besagt dass ein Mietmarkt erst ab einer Leerstandsquote von etwa drei Prozent reibungslos funktioniert.
00:06:00: Die Wohnungsknappheit spitzte sich in den vergangenen Jahren also wieder zu.
00:06:06: Besonders ausgeprägt ist die Wohnungsnot naturgemäß in Ballungsgebieten.
00:06:11: Die vierhundertfünfzigtausend Einwohner Zürichs durften zum ersten Juni-Zweitausendfünfundzwanzig um Sage und Schreibe zweihundhalbunddreißig leerstehende Wohnungen konkurrieren, das entspricht einem mickrigen Leerstand von Nullkommaeinsprozent der Wohnungen.
00:06:29: Wie stark der Wettbewerb um neue Wohnungen ist, unterstreicht etwa ein Vergleich mit der Stadt Köln, die einen der angespanntesten Wohnungsmärkte Deutschlands hat.
00:06:39: Dort betrug die marktaktive Leerstandskwote im Jahr twenty-zweiundzwanzig magere eins Komma zwei Prozent womit sie sich allerdings gerade einmal im Schweizer Durchschnitt einordnen würde.
00:06:52: das Beispiel zeigt Zuwanderung ist keine Einbahnstraße.
00:06:57: Im Fall der Schweiz gilt die Wohnungsnot als zentraler Kritikpunkt.
00:07:01: Aber auch eine Zubetonierung der Landschaft überfüllte Züge oder eine sinkende Bildungsqualität an den Schulen werden von den Befürworten einer geringeren Zuwanderung angepangert.
00:07:13: Dass die Schweiz nicht das einzige Land ist, dass mit Herausforderungen im Rahmen der Einwanderungen konfrontiert ist weiß man in Deutschland aus eigener Erfahrung.
00:07:23: Davon zeugt nicht zuletzt der Umstand, dass Bundesinnenminister Alexander Dobrind im vergangenen Jahr die Notwendigkeit sah vom Einleiten einer Migrationswende zu sprechen.
00:07:36: Hierzulande sind die Probleme mit der Zuwanderung in den vergangen Jahren allerdings anders geartet als in der Schweiz.
00:07:43: Bekannter Maßen handelte es sich bei der Zuwanderung nach Deutschland in der jüngeren Vergangenheit, in großen Teilen nämlich nicht um eine geregelte Arbeitsmigration sondern um massive Flüchtlingsströme.
00:07:56: Im Jahr twenty-fünfzehn und den Folgejahren allen voran aus Syrien Afghanistan und dem Irak.
00:08:08: Per Salldo wanderten zwischen dem Jahr zweizehntundzwanzig sechs Komma eins Millionen Menschen nach Deutschland ein.
00:08:18: Quasi über Nacht galt es, mehrere Millionen Kinder Frauen und Männer in den Alltag der Deutschen zu integrieren.
00:08:26: Doch Sprachbarrieren oder Schwierigkeiten bei der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse verzögern bei zugewanderten Personen die Integration in den Arbeitsmarkt.
00:08:37: Weitere Probleme existierten, die sich auch unmittelbar negativ auf die heimische Bevölkerung auswirkten.
00:08:44: Beispielsweise bedeuteten personelle Restriktionen an Schulen das die Lehrerschaft vielerorts plötzlich mit einer Doppelbelastung aus Integrationsarbeit und Beschulung der Bestandsschülerschaft konfrontiert war.
00:08:57: Da ist es nur verständlich wenn das Unterrichtsniveau in einigen Klassenzimmern leidet ohne dass man den Beteiligten hier wohl einen Vorwurf machen kann.
00:09:08: Auch sind unmittelbare finanzielle Belastungen für die heimische Bevölkerung sichtbar, so flossen auf Ebene der Staatsfinanzen in den vergangenen Jahren jährlich zweistellige Milliardenbeträge in Form von Asylbewerberleistungen und Bürgergeld an Geflüchtete Summen, die für Unruhe sorgen können wenn nach Angaben des Statistischen Bundesamts gleichzeitig einundzwanzig Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind.
00:09:39: Bei allen verständlichen Sorgen in Teilen der Bevölkerungen gehört aber auch zur Wahrheit dass die erhebliche Zuwanderung der vergangenen Jahre und Jahrzehnte immense Lücken am Arbeitsmarkt stopft.
00:09:56: Mehr als jeder sechste sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in Deutschland ist Ausländer.
00:10:02: Insgesamt rund sechs Millionen Menschen.
00:10:06: In zahlreichen Engpassberufen sehe es ohne die Beschäftigten mit Einwanderungsgeschichte, also Menschen, die selbst oder deren beide Elternteile nach Deutschland eingewandert sind – wobei ein großer Teil von ihnen bereits die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt Mao aus!
00:10:22: Oftmals wäre wohl ein völliges Fehlen von verfügbaren Arbeitskräften zu beklagen.
00:10:28: Beispielsweise weisen hierzulande rund fifty-fünfzig Prozent aller Beschäftigten in der Gastronomie einen Migrationshintergrund auf.
00:10:37: Bei Bus und Straßenbahnfahrern, die das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs bilden haben siebenundvierzig Prozent eine Einwanderungsgeschichte.
00:10:46: In der Altenpflege sind es immer noch dreißig Prozent, während der Anteil von Beschäftigten mit Migrationshintergrund auf Ebene der Gesamtwirtschaft gerade einmal sechsundzwanzig Prozent beträgt.
00:11:00: In vielen Fällen sind es heute also auch Berufsfelder mit niedrigschwelligen Eintrittsbarrieren in denen Zuwanderer überrepräsentiert sind und dem Fachkräftemangel massiv entgegenwirken.
00:11:12: Dabei dürfte sich der ökonomische Nutzen der Zuwanderung in den kommenden Jahren sogar weiter verstärken.
00:11:19: Wie das Institut der deutschen Wirtschaft schätzt, sinkt das Arbeitskräftepotenzial Deutschlands bis zu einem Jahrzehnte um mehr als vier Millionen Erwerbspersonen.
00:11:30: In naher Zukunft scheiden also deutlich mehr ältere Menschen aus dem Arbeitsmarkt aus – als junge Nachkommen!
00:11:39: Von den zwanzig Millionen Babyboomern, die hierzulande zwischen nineteenhundertfünfzig und neunzehnhundertneunundsechzig geboren wurden sind heute sechs Millionen älter als siebenundsechs Jahre.
00:11:51: Der Rest erreicht in den kommenden zehn Jahren das Renteneintrittsalter – womit ein weiterer großer Vorteil der Zuwanderung ersichtlich wird.
00:12:01: Denn die Menschen, die nach Deutschland kamen, sind im Schnitt deutlich jünger als die Bestandsbevölkerungen!
00:12:07: Mit gerade einmal achtunddreißig Jahren liegt der Altersdurchschnitt, der hier ansässigen ausländischen Bevölkerung immerhin gut acht Jahre unterhalb derjenigen der deutschen Staatsbürger.
00:12:19: Da braucht es dann auch keinen Mathematiker um festzustellen dass Personen mit Migrationshintergrund hierzulande einen weiter wachsenden Anteil an der Erwerbsbevölkerung einnehmen werden wenn in den kommenden Jahren immer mehr alte Deutsche aus dem Arbeitsleben ausscheiden.
00:12:38: Selbst in Japan, dessen Gesellschaft als sehr homogen gilt, scheint die Erkenntnis zu reifen dass Arbeitsmigration in alterten Gesellschaften ein Gebot der ökonomischen Vernunft ist.
00:12:51: Denn bezogen auf das Bevölkerungswachstum bewegt man sich im Land der Aufgehenden Sonne zunehmend in Richtung Sonnenuntergang.
00:13:00: Seit ihren Höchstständen im Jahr ist die Bevölkerung Japans bereits um rund fünf Millionen auf etwa onehundertdreiundzwanzig Millionen Menschen geschrumpft.
00:13:11: Zudem sind fast dreißig Prozent der Bevölkerung, Fünfundsechzig Jahre und Älter.
00:13:17: Ende der Zweitausendreißiger-Jahre soll schließlich mehr als jeder dritte Japaner älter als Fünfundsechsig sein.
00:13:25: Zum Vergleich Selbst in Deutschland lag dieser Anteil zuletzt bei nur dreiundzwanzig Prozent und er soll erst in zehn bis fünfzehn Jahren auf heutige japanische Verhältnisse anwachsen.
00:13:38: Für Japans Arbeitsmarkt bzw.
00:13:40: dessen Wirtschaft, die seit dreißig Jahren kaum wächst braucht es also dringend kreative Lösungen.
00:13:47: ein Ansatz war lange Zeit mehr Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
00:13:52: Allerdings wirkt dieser Hebel zunehmend ausgeschöpft, nachdem die Arbeitsmarktpartizipationsrate der fünfundzwanzig bis fünfzigjährigen japanischen Frauen in diesem Jahrtausend von siebenundsechzig auf zuletzt vierundachtzig Prozent angestiegen ist.
00:14:09: Ein überdurchschnittliches Niveau im internationalen Vergleich und auf Augenhöhe mit Deutschland.
00:14:17: Als letzter Strohhalm bleibt die Zuwanderung Ein großer Schritt für ein Land wie Japan, das kulturell als eher verschlossen gilt.
00:14:26: Schließlich betrug der Ausländeranteil im Inselstaat noch vor zehn Jahren einen Prozent.
00:14:34: Seither ist die Zahl der japanischen Staatsbürger um sechs Millionen zurückgegangen während die Zahl in Japan lebenden Ausländern im gleichen Zeitraum um gut zwei Millionen angewachsen ist und in diesem Jahr erstmals die Marke von vier Millionen überschritten hat.
00:14:50: Damit hat sich der Ausländeranteil Japans in nur zehn Jahren auf gut drei Prozent mehr als verdoppelt.
00:14:59: Chinesen, Vietnamesen und Südkoreaner, die regelmäßig nur eine mehrjährige Aufenthaltserlaubnis erhalten, stellen die meisten Einwanderer.
00:15:08: Ihrem Beispiel dürften in den kommenden Jahren weitere Wanderarbeiter folgen wenn Japan seine demografischen Herausforderungen in den Griff bekommen möchte.
00:15:18: Wohin die Reise zumindest theoretisch gehen könnte, zeigt die Schweiz.
00:15:23: Dort waren im vergangenen Jahr rund siebenundzwanzig Prozent der Bevölkerung Ausländer.
00:15:28: Ehrlicherweise dürfte sich die Schweiz aber nur bedingt als Maßstab für die Projektion kommender Arbeiterwanderungen nach Japan eigenen wie bereits die japanische Geschichte nahelegt.
00:15:40: Die kulturelle Verschlossenheit prägte das Land über lange Zeiträume.
00:15:45: Bis zum Jahr eighteenhundertdreiundfünfzig erlebten die damaligen Einwohner Nippons gar eine strikt isolationistische Außenpolitik, die über mehr als zwei Jahrhunderte andauerte.
00:15:58: Bekannt unter dem Schlagwort Sakoku – was so viel wie abgeschlossenes Land bedeutet – hatte Japan den Kontakt zum Ausland stark eingeschränkt.
00:16:09: Das sollte die innere Stabilität gewährleisten und das Schogunat bzw.
00:16:14: dessen Machtanspruch vor äußeren Einflüssen wie dem Christentum schützen.
00:16:20: Einheimischen wurde die Ein- und Ausreise in dieser Zeit streng verboten, während der Handel extrem zentralisiert und auf wenige Akteure beschränkt war Beispielsweise bei der europäischer Handel exklusiv den Niederländern vorbehalten, die im Gegenzug jegliche religiöse Einflussnahme unterlassen mussten.
00:16:41: Bis heute prägen derartige historische Einflüsse den Charakter Japans.
00:16:47: Trotz eines Ausländeranteils von gerade einmal drei Prozent breitet sich angesichts der gestiegenen Zuwanderungsraten eine gewisse Verunsicherung in Japans Bevölkerung aus, dass eine massenweise Einwanderung die japanische Kultur zerstören könne.
00:17:03: In der Tagespolitik zeigt sich diese Entwicklung nicht zuletzt daran, dass die am rechten Rand angesiedelte Sanseito-Partei bei den vergangenen Wahlen zum japanischen Oberhaus vierzehntsitze hinzugewinnen konnte auf nunmehr fünfzehn.
00:17:19: Mit ihrem Leitspruch Nihon Yin First zu Deutsch Japaner zuerst hat die Partei in Teilen der Bevölkerung einen Nerf getroffen.
00:17:28: Damit steht Japan in den kommenden Jahren mehr und mehr vor der Frage, wie viel kulturelle Identität sich das Land angesichts der dramatischen Überalterung leisten kann.
00:17:41: Von kultureller Identität im Sinne einer eher homogenen Bevölkerungsstruktur kann man im Fall der Vereinigten Staaten von Amerika wahrlich nicht sprechen.
00:17:51: Kein anderes Land verfügt über eine vergleichbare Einwanderungsgeschichte mit all ihren Höhen und Tiefen Von der Sehnsucht nach dem amerikanischen Traum, der über Generationen hinweg Antrieb für Millionen Einwanderer aus unterschiedlichsten Ländern war bis hin zum transatlantischen Sklavenhandel.
00:18:11: Der größten Zwangsmigration in der Geschichte der Menschheit.
00:18:15: Noch immer spielen Einwänderer eine enorm wichtige Rolle in den USA.
00:18:20: Mitte vergangenen Jahres beheimatete das Land mehr als fünfzig Millionen von ihnen, was gut fünfzehn Prozent der US-Bevölkerung entsprach.
00:18:30: Unter den Arbeitskräften lag ihr Anteil sogar bei neunzehnt Prozent.
00:18:34: Doch jetzt könnte Schluss mit der Zuwanderung sein nachdem sich die Migrationspolitik und der US Präsident Donald Trump stürbar verschärft hat!
00:18:43: Stolz verkündete das weiße Haus zu Beginn dieses Jahres, dass die USA im Jahr twenty-fünfundzwanzig erstmals seit mehr als fünfzig Jahren eine negative Nettozuwanderung verzeichneten und damit jahrzehntelange Misserfolge der offenen Grenzpolitik umkehrten.
00:19:02: So gesehen schlagen die USA also neue Wege in der Migrationspolitik ein.
00:19:08: Dabei handelt es sich bei der Einwanderungspolitik im Grunde genommen schon seit jeher um eine Form des Social Engineering.
00:19:17: Dabei ergreifen Regierungen Maßnahmen, um die Einwänderung von Personen zu fördern, die den demografischen sozialen und wirtschaftlichen Vorstellungen des Landes entsprechen – während versucht wird, die Zuwanderer derjenigen Personen zu beschränken, die ihres Erachtens nicht ins Schema
00:19:34: passen.".
00:19:35: Unter ökonomischen Gesichtspunkten erscheint eine gewisse Form der Selektion, also der Einwanderungsbeschränkung nur logisch.
00:19:44: Denn am Ende des Tages agiert jede Gesellschaft mit begrenzten Ressourcen, weshalb sich Wanderungsströme ab einem gewissen Punkt selbst tragen müssen und nicht beliebig subventioniert werden
00:19:57: können.".
00:19:58: Dieser ökonomischen Logik folgend verabschiedeten die USA bereits im Jahr eighteenhundertzehnundachtzig ein allgemeines Einwanderungsgesetz, das jede Person, die nicht in der Lage ist für sich selbst zu sorgen ohne zur Belastung zu werden von der Einwänderung ausschließen sollte.
00:20:17: Neben wirtschaftlichen spielten vor mehr als einhundertvierzig Jahren aber auch gesellschaftliche Motive eine Rolle bei der Einwanderungspolitik.
00:20:26: So sollten im damaligen Gesetzestext auch Sträflinge von der Einwanderung ausgeschlossen werden.
00:20:32: Darin spiegelt sich ein legitimes Bedürfnis nach innerer Sicherheit wieder.
00:20:38: Wenn in Deutschland heutzutage, also in einigen Fällen über die Abschiebung von zugewanderten Straftäter diskutiert wird ist diese Debatte weit älter als diejenigen, die sie heute führen.
00:20:50: Bedenken um die innere Sicherheit, um die kulturelle Identität oder um die Verfügbarkeit von Wohnraum spielen allesamt eine wichtige Rolle im Rahmen der Migrationsdebatte.
00:21:01: Heute genauso wie im neunzehnten Jahrhundert in den USA oder im siebzehnten Jahrhundert in Japan.
00:21:09: All diese Fragestellungen bedürfen einer Auseinandersetzung in einer breiten gesellschaftlichen Debatte.
00:21:16: Unter rein ökonomischen Gesichtspunkten wirkt das Thema der geregelten Zuwanderung hingegen wenig kontrovers.
00:21:22: In einigen Industrienationen scheint eine anhaltende Arbeitsmigration angesichts der fortschreitenden Alterung sogar alternativlos, wenn ein fehlendes Arbeitskräfteangebot am heimischen Markt vermieden und heutige Wohlstandsniveaus erhalten oder ausgebaut werden sollen.
00:21:41: Selbst massive, ungeregelte Flüchtlingswanderungen wie sie Deutschland seit Jahrzehnte in völlig Ausnahmesituationen erlebte können sich Mittel bis langfristig als wirtschaftlicher Gewinn erweisen.
00:21:54: So kam eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung zu dem Ergebnis, dass die erwerbstätigen Quote von achtzehn bis vierundsechzigjährigen Schutzsuchenden – die vorwiegend aus Syrien, dem Irak und Afghanistan stammen.
00:22:09: Und zwischen zwei Tausend Dreizehn und zweitausend neunzehn nach Deutschland – kamen, acht Jahre nach ihrer Ankunft bei altundsechszig Prozent lag, womit sie sich bereits deutlich den Bevölkerungsdurchschnitt von seventy-seven Prozent angenähert
00:22:22: hat.".
00:22:24: Unter den geflüchteten Männern überstieg die erwerbstätigen Quote von sechsohnundachtzig Prozent, dem männlichen Bevölkerungsdurchschnitt sogar leicht.
00:22:33: Wohingegen sie bei den Geflüchtete Frauen aus verschiedenen Gründen etwa aufgrund der Übernahme von Sorgearbeit insbesondere bei Kleinkindern deutlich
00:22:42: abfiel.".
00:22:44: Letztlich wohnen der Migration enorme Chancenenne.
00:22:48: Der amerikanische Traum, dass jeder Mensch unabhängig von seiner Herkunft durch fleiß- und harte Arbeit einen gesellschaftlichen Aufstieg und Wohlstand erreichen kann, dürfte Menschen weltweit anspornen.
00:23:02: Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen.
00:23:05: Deutschland kann als weltoffenes Land von denjenigen profitieren die auf der Suche nach einem besseren Leben sind.
00:23:13: Nach Angaben der Vereinten Nationen ist Deutschland das weltweit zweitwichtigste Zielland für internationale Migranten und Beherbergte zuletzt rund siebzehn Millionen von ihnen.
00:23:25: Mehr sind es nur in den USA, die seit vielen Jahrzehnten zu den mit Abstand leistungsfähigsten Volkswirtschaften zählen.
00:23:32: Immer wieder schreiben dort Einwanderer, die Risiken eingehen und den amerikanischen Fortschritt vorantreiben außergewöhnliche Geschichten!
00:23:41: Der in Moskau geborene Google-Mitgründer Sargei Breen und der in Südafrika aufgewachsene Elon Musk gehören sicherlich zu ihren prominentesten Vertretern.
00:23:52: In der Schweiz, einer der ganz wenigen Volkswirtschaften deren pro Kopf Bruttoinlandsprodukt die Marke von «Einhunderttausend US Dollar übersteigt» haben unterdessen mehr als vierzig Prozent der Schweizer Bevölkerung einen Migrationshintergrund.
00:24:08: Multikulti gibt es auch in den Alpen.
00:24:11: Wenn gleich die Zuwanderungsdebatte vielschichtig ist, eine rein wirtschaftliche Betrachtung lässt eigentlich keine Zweischlüsse zu – das gilt zumindest so lange wie die alten Pflege oder der Gerüstbau noch nicht von Humanoiden ausgeführt werden.
00:24:27: Mit dieser Veröffentlichungen wird kein Angebot zum Verkauf, Kauf- oder zur Zeichnung von Wertpapieren oder sonstigen Titeln unterbreitet.
00:24:41: Die enthaltenen Informationen und Einschätzungen stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar.
00:24:48: Rechtliche Hinweise finden Sie in den Shownotes!