Aktien: Keine Angst vor Kursschwankungen - Flossbach von Storch Podcast
Wer Aktien kauft, braucht Zeit – mindestens fünf Jahre, besser noch sehr viel länger. Wer die nicht hat, ist an der Börse nicht gut aufgehoben. Vermögen entsteht in den seltensten Fällen über Nacht, sondern über Zeit. Anleger sollten also geduldig sein.
Wer Zeit hat und geduldig ist, kann getrost weghören, wenn man ihm einzureden versucht, dass Kursschwankungen an der Börse, im Fachjargon heißt es „Volatilität“, gleichbedeutend sind mit Risiko. Viele Wissenschaftler sehen das so. Weil sich Volatilität leicht messen lässt; sie macht den abstrakten Begriff „Risiko“ greifbar, zumindest in der Theorie. Bei Akademikern ist sie deshalb beliebt. Im wahren Leben hat die Theorie jedoch große Schwächen.
Denn was sagt es aus, dass eine Aktie stark schwankt? Wenn sie sehr schnell, sehr stark gestiegen ist beispielsweise – ist sie dann riskant? Sollte der Anstieg fundamental nicht gerechtfertigt sein, womöglich, ja. Aber falls doch, ist sie dann auch riskant? Und wie sieht es aus, wenn die Aktie kräftig gefallen ist? Warum sollte der Kauf eines Anteilsscheins zum Preis von 50 riskanter sein als zu einem Preis von 100, wenn sich am Unternehmen nichts Grundlegendes verändert hat?
Warren Buffett, der bekannte US-Investor, hat einmal gesagt: „That’s where they lost me“ – an diesem Punkt hätten sie ihn verloren. Deshalb gilt: Volatilität sagt grundsätzlich nichts über das Risiko aus!
Lassen Sie uns in Gedanken auf Weltreise gehen. Stellen Sie sich vor, wir wären ein Jahr unterwegs – Asien, Afrika, gerne auch Nord- und Südamerika. Zum Abschluss ein paar Wochen auf dem alten Kontinent, Europa. Wir haben keinen Internetzugang, keine Zeitung, schauen kein Fernsehen, bekommen also nicht mit, was an der Börse tagtäglich geschieht. Keine Krisen. Kein Krawall. Bevor wir unsere Reise antreten, kaufen wir die Aktien zweier Unternehmen, A und B.
Der Kurs von A schwankt deutlich stärker als der von Unternehmen B. Während unserer Reise fällt er von 100 auf 80 Euro, erholt sich dann leicht, um erneut zurückzufallen. In der zweiten Jahreshälfte startet dann eine Rally und trägt den Kurs auf 120 Euro. Die Aktie von Unternehmen B dagegen schwankt kaum; als wir nach Hause zurückkehren und den Kursteil unserer Tageszeitung aufschlagen, sehen wir ihren Kurs bei 108 Euro. Über welche Aktie freuen wir uns wohl mehr? Klarer Fall, Unternehmen A; von den kräftigen Schwankungen haben wir schließlich nichts mitbekommen.
Riskant ist eine Anlage nur dann, wenn sie zu einem dauerhaften Verlust führt, ganz unabhängig übrigens von der Volatilität. Wer ein Konto bei der falschen Bank hat, mit mehr als den gesetzlich geschützten 100.000 Euro darauf, könnte einen Teil seines Geldes verlieren, sollte die Bank in Schwierigkeiten geraten.
Oder nehmen sie das Sparbuch: Dort schwankt nichts, und es gibt zumindest ein wenig Zinsen. Zu wenig allerdings, um langfristig die Inflation auszugleichen. Auf Dauer ist das Sparbuch also ein Verlustgeschäft, weil die Kaufkraft des Ersparten schwindet. Ein Risiko, vermutlich das größte; leider wird es meist übersehen, zumindest aber unterschätzt.
Aktien schwanken, ja, aber sie bieten langfristig (deutlich) höhere Renditen als verzinsliche Anlagen. Bei der Altersvorsorge, die über Jahrzehnte betrieben wird, kann das höhere Renditepotenzial entscheidend sein.
Und auch wenn der Gedanke schwerfallen mag – Kursrücksetzer haben ihr Gutes. Oder wie sagen die Kauffrau und der Kaufmann gern: Der Gewinn liegt nicht zuletzt im Einkauf.